Извините, этот техт доступен только в “Немецкий” и “Американский Английский”. For the sake of viewer convenience, the content is shown below in this site default language. You may click one of the links to switch the site language to another available language.

Hier können Sie die gedruckte Version mit Fotos einsehen.

Gala Men, Ausgabe vom Oktober 2011:
Abgehoben? High sein, frei sein, Privatjets müssen dabei sein: Die Reichen und Berühmten wollen auch auf mehr als 10.000 Metern Flughöhe den maximalen Luxus. Ein Insider erzählt, was über den Wolken alles möglich ist.

Es war das Ticket ins Paradies. Zumindest für die Männer, die sich Ende der Sechzigerjahre den Traum vom Playboy-Leben erfüllen konnten. Wer damals in die „Big Bunny“ stieg, der war ganz oben angekommen. Im Innteren des schwarz lackierten Fliegers vom Typ McDonnell Douglas wurde der Gast von aufreizenden Flugbegleiterinnen in Empfang genommen. Als Erkennungszeichen trugen sie weiße Hasenohren im Haar und stellten sich als „Jet Bunnys“ vor – die leibhaftige Version der Pin-up-Girls aus dem „Playboy“-Magazin. Kein Wunsch sei von nun an tabu, sagten die Girls lächelnd. Erste einmal einen Martini an der Bar? Ins flauschige Privatkino? Oder vielleicht lieber zum Eintanzen unter die Discokugel, bevor der sündhaft teure Ausflug dem Höhepunkt zusteuerte – dem Sex über den Wolken…

Die „Big Bunny“ war mehr als ein Luxus-Jet. Die Maschine war das extreme Privatvergnügen des „Playboy“
-Gründers Hugh Hefner, der damals, im Zenit von Flowerpower und sexuellem Freiheitsdrang, sein Häschen-Imperium zu Rekordumsätzen trieb. Im Vollrausch dieses Erfolgs schien das Playboy-Reich auf Erden irgendwie ausgereizt. „Es war meine maßloseste Anschaffung“, sagte Hugh Hefner später einmal in einem Interview über seine „Big Bunny“. Kosten: 3,5 Millionen Dollar plus eine weitere Million für die spezielle Innenausstattung, die in jedem Fall neue Maßstäbe im internationalen Flugbetrieb setzte. Schon vor und nach dem Besitzer der „Big Bunny“ gönnten sich Millionäre oder Showgrößen den Luxus eines fliegenden Wohnzimmers. Von der Rockband Led Zeppelin, in deren legendärem „Starship“ die eine oder andere Orgie stattgefunden haben soll, über Elvis Presley, der seinen Jet liebevoll nach seiner Tochter „Lisa Marie“ benannte, bis hin zu Stars wie John Travolta oder Harrison Ford, die ihre eigenen Maschinen sogar selbst fliegen. Doch es war Hugh Hefners Extravaganz, die den Privatjet zum ultimativen Statussymbol erhob.
Es ist die Freiheit, allein bestimmen zu können, wohin die Reise geht. Und vor allem: Es gibt kein Limit. Erlaubt ist, was gefällt. An diesem Prinzip hat sich bis heute nichts geändert, das Geschäft mit Privatjets boomt weltweit.

Köln, Rheinaufhafen, beste Sicht aufs Wasser und die Skyline der Rhein-Metropole: Hier hat Joe Kurta, der Gründer der Fluggesellschaft CallaJet, sein repräsentatives Büro. Die Auftragslage ist blendend. Kurta, 36, früher DJ, vermittelt heute im Durchschnitt 30 bis 40 Flüge im Monat. An eine exklusive und äußerst solvente Kundschaft – darunter einige Paradiesvögel, die weiter das Image vom hemmungslosen Jetset pflegen. Wie der Kunde, für den der CallaJet-Chef jüngst einen Jagdausflug nach Spanien organisiert hat: Die Familie war bereits im Hotel angekommen, als die Frau das Essen für ihren geliebten Hund bemängelte. Also riefen wir den Piloten an und mussten ihm sagen: „Flieg sofort nach Paris, da gibt es einen Laden, dort kaufst Du eine bestimmte Marke Hundefutter.“ Die Aktion hat locker 10000 Euro extra gekostet. „Das war schon sehr dekadent“, erzählt Kurta, während sind Handy klingelt. „Ich muss für meine Kunden immer erreichbar sein“, sagt er und geht ran.

Eigentlich sind solche schrillen Anekdoten eher die Ausnahme in einem höchst professionellen Dienstleistungsgeschäft. Es bucht der Geschäftsmann, der wenig Zeit hat und viel unterwechs ist. Oder jemand gut Betuchtes, der mit Familie im Winter zum Skifahren nach St. Moritz fliegt. Und dann eben direkt ins Skigebiet und nicht erst nach Zürich, um von da zweieinhalb Stunden mit dem Taxi auf den Berg zu fahren. „Sie müssen nicht mit ihren Kindern um fünf Uhr morgens zu einem überlasteten Flughafen und kommen ganz entspannt am Urlaubsort an“, so Kurta.
Wer ein privates Flugzeut ordert, der schätzt, wie Hugh Hefner, vor allem seine Unabhängigkeit. Ein Anruf reicht, wenn der Kunde verschlafen hat oder spontan doch eine Stunde später fliegen möchte. Kurta: „Es gab auch Flüge, auf denen wir noch in der Luft – über den Alpen – entschieden haben, wo wir überhaupt landen. Da habe ich den Limousinenservice einfach zu zwei Flughäfen geschickt.“ Auch mit Verspätungen habe man wenig zu tun, da in der Regel kleinere Flughäfen angepflogen werden, die so nah wie möglich am Ziel liegen. „In an out“ nennt das der CallaJet-Chef: „Man erscheint zehn Minuten vor Abflug am VIP-Terminal mit dem Kapitän und jemanden, der das Gepäck trägt. Auch die Kontrolle dauert nur eine Minute, und dann bist du schon im Flugzeug und genießt völlige Privatssphäre.“

Der 36-jährige Kölner kennt sich in Europa bestens aus. Mit Anfang 20 war er ein gefragter DJ, der jedes Wochenende in einer anderen Metropole auflegte: Berlin, Paris, London… Von CallaRecord zu CallaJet. Inzwischen schlagt sich der Familienvater nicht mehr die Nächte um die Ohren, sondern mit den vielen Wünschen seiner Kunden herum: „In gewissem Sinne bin ich auch Personal Assistant. Ich muss schnell etwas nachschlagen, eine Limo bereitstellen oder einen Helikopter-Transfer nach Monte Carlo organisieren. Ein paar meiner Kunden haben so wenig Zeit – die vergessen sogar, ein Hotel zu buchen.“

Erhält der Unternehmer eine Kundenanfrage, gibt er sie an die sogenannten Operators weiter. Operators, das sind die Gesellschaften, die Flieger und Crew für den Flugbetrieb zur Verfügung stellen. „Von ca. 170 Fluggesellschaften in Deutschland sind rund 50 auf Business- und Privatjets spezialisiert. Trotzdem besteht auf dem deutschen Privatjet-Markt, verglichen mit den USA oder England, noch Nachholbedarf“, so Philip Philippou vom Anbieter Air Partner. Nach einer Studie von Wingx Advance sollen in Europa 2010 etwa 630 000 Flüge in diesem Segment durchgeführt worden sein. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl aller Flüge am Frankfurter Flughafen betrug im vergangenen Jahr 464432. Auch Privateigentümer, die ihre Maschine gerade nicht brauchen, nehmen den Dienst eines Operators in Anspruch. Kurta: „Das ist nicht wie bei Autos. Wenn die Flugzeuge nur herumstehen, kostet das viel Geld. Für Hangar, Versicherung, Wartung.“ Der CallaJet-Chef kann auf rund 4000 Flugzeuge zugreifen, sieht ihre Route und kann so schnell den günstigsten Preis ermitteln. Gerade One-Way-Flüge werden so attraktiv, falls ein Flugzeug ohnehin zum Zielort fliegen soll. Dann wird geklärt: Welche Größe soll der Jet haben? Soll Essen aus dem Lieblingsrestaurant serviert werden? Ist eine Stewardess erwünscht? „Mit dem Privatjet zu fliegen ist eine Erfahrung, die jeder einmal machen sollte“, sagt Kurta. Und das ist möglich: Ultra Light Jets für vier Personen kosten 1500 Euro, größere Maschinen für acht bis zehn Leute liegen bei 2500 Euro pro Mietstunde und fliegen bis zu 2600 Kilometer. Damit lässt es sich ohne Zwischenlandung ganz entspannt durch Europa jetten. Kurta: „Bei zehn Passagieren kostet das dann nur noch rund 250 Euro pro Kopf.“

Privatjets sind selbstverständliche Fortbewegungsalternativen für viele Menschen geworden. Dennoch ist die Luxus-Skala nach oben noch immer weit offen. So soll im nächsten Jahr ein mit VIP-Konfiguration ausgestatteter Airbus A 380 geliefert werden, als Käufer wird der saudische Prinz al-Walid gehandelt. Preis: rund 300 Millionen Dollar. Dieser fliegende Palast verfügt über einen Parkplatz, um gleich mit dem Rolls-Royce boarden zu können, vier Schlafquartiere, einen Gebetsraum mit virtuellen Matten, die immer automatisch gen Mekka zeigen, eine Konzerthalle, einen Hamam sowie einen Well-being-Room als besonderes Extra. In diesem Raum ist ein riesiger Screen in den Boden gelassen. Auf diesen werden dann live – und unabhängig von der Sicht – in voller Schärfe die Landschaften projeziert, über denen der Airbus gerade dahinschwebt. Dieser Aussicht würde sich auch Alt-Playboy Hugh Hefner, inzwischen 85, gern hingeben.
_
Der Insider
Kaum jemand kennt sich in Deutschland so gut in der privaten Luftfahrt aus wie CallaJet-Chef Joe Kurta. Der 36-Jährige, bei dem auch Gérard Depardieu schon gebucht hat, befördert u.a. Vorstände, Künstler und Fußballprofis, die zwischen zwei Spielen noch schnell ihre Familie sehen wollen. Demnächst zieht er mit seiner Firma in das VIP-Terminal des Flughafens Köln/Bonn. Selbst besitzt Joe Kurta noch keinen Flugschein, will ihn aber so bald wie möglich machen.
_
Auch in der Luft ist ihr nur das Beste gut genug: Paris Hilton, vergangenes Jahr auf dem Weg nach Korsika. Am Flughafen war allerdings Schluss mit Gemütlichkeit: Die Polizeit fand Marihuana in der Handtasche des IT-Girls, ließ sie aufgrund der geringen Menge aber gehen.
_
Fürs Buddy-Weekend
Kleinere Jets (für acht bis zehn Personen) sind heutzutage zu erschwinglichen Preisen zu haben. Ideal also, um mit den besten Freunden kurzfristig übers Wochenende nach Mallorca oder Paris zu jetten. Viele Charter-Broker wie CallaJet oder Sophistic Air bieten Pakete an und kümmern sich auf Wunsch auch um Hotelreservierung und Limousinen-Service.